02.06.2016

Zur Pensionierung von Franz Walder

Zur Pensionierung von Franz Walder
Kanton Schwyz, Leiter Abteilung Strukturverbesserungen (eh. Meliorationsamt)


Lieber Franz

Als frisch gebackener dipl. Kulturingenieur ETH hast Du, wie damals üblich, zuerst das einjährige Geometerpraktikum absolviert. Bereits am 1. Januar 1978 hast Du beim Meliorationsamt im Kanton Schwyz die Stelle eines wiss. Sachbearbeiter antreten. Vom ersten Tag an hast Du die Meliorationsprojekte Deines Vorgängers weiterführen müssen. Tönt einfach, war es aber gar nicht, denn es fehlte gänzlich an Berufserfahrung und eine Einführung des Vorgängers war nicht möglich. Zahlreiche Projekte waren unter dem Vorgänger ins Stocken geraten und es galt sofort technische, rechtliche und finanzielle Probleme zu lösen. Mit nur einem ersten kurzen Überblick über das Anstehende musstest Du bereits am 5. Januar in den WK einrücken. Das hatte die Aufgabe auch nicht leichter gemacht. Nach dem WK ging Deine 38-jähirge Karriere als Kulti erst so richtig los. Während des Studiums hast Du regelmässig als Dachdecker gearbeitet, um Dich finanziell „über Wasser“ zu halten. Diese Erfahrung hat Dir lediglich geholfen, wenn Du in luftiger Höhe mit Seilbahnen unterwegs warst, die saniert werden mussten, oder die Du selber realisiert hast. Als leidenschaftliche Skirennfahrer im Regionalkader hast Du Dir den nötigen Durchsetzungswillen erschaffen, insbesondere wenn es galt, über den tiefen Gräben der Vorgänger auf Kurs zu bleiben. Gemeinsam hast Du zuoberst auf derselben Rangliste wie der legendäre Heini Hemmi gestanden, mit dem kleinen Unterschied, Hemmi auf der ersten Seite, Walder auf der zweiten oder dritten Seite.

Das erste Jahr im Melamt in Schwyz war besonders streng. Du musstest Baustellen übernehmen, die während Monaten sich selber überlassen waren und technische „Sünden“ ausbaden, die man kaum für möglich hielt (rund 50 m parallel verlaufende Betonplatten als Leitwerke einer Bachverbauung, realisiert ohne Winkelfundament und vor allem ohne Abstützung zwischen den beiden Platten in Form von Sperren, so dass die Platten einfach wie eine Zange in die Bachmitte einzustürzen drohten).

Dein ganzes Berufsleben war geprägt von pragmatschen Lösungen bei Projekten, sei es im Wegebau, den Entwässerungen, den Seilbahnen oder später bei integralen Projekten mit dem Natur- und Heimatschutz und den Wanderwegen, die mit viel Innovation von Dir geplant, projektiert und realisiert wurden. So hast Du den ersten mobilen Steinbrecher in deinem ersten Jahr auf den Stoos gebracht. Heute wunderst Du Dich, wie das damals überhaupt möglich war. Oder Du hast Seillinien bei Seilbahnprojekten alleine abgesteckt, ohne dass Du Anfang- und Endpunkt gleichzeitig gesehen hast, dies notabene vor rund 30 Jahren, ohne GPS und modernen Theodoliten. 1980 hattest Du dann sogar einen Fernsehauftritt im Muotathal, als an der GV der Flurgenossenschaft Stoos heftigst über ein Fahrverbot debattiert wurde.

Im Sommer 1992 bist Du als Vorsteher des damaligen Meliorationsamtes ernannt worden, nachdem Dein Vorgesetzter Werner Inderbitzin zum Regierungsrat des Kantons Schwyz gewählt wurde. In die gleiche Zeit fiel die neue Aufgabe der landwirtschaftlichen Raumplanung, welche vom Regierungsrat dem Meliorationsamt zugeteilt wurde. Mit nur wenig raumplanungsrechtlicher Erfahrung und lediglich einem zusätzlichen Mitarbeiter musste diese Aufgabe erledigt werden. Im Jahre 1997 übernahm das Meliorationsamt neu die Geschäftsstelle des Fonds für landwirtschaftliche Investitionskredite von der Schwyzer Kantonalbank. Das war ebenfalls eine Herausforderung, welche mit bestehendem Personalbestand und mit wenig Knowhow zu bewältigen war. Die Übernahme dieser beiden Fachbereiche hat sich bis heute bewährt und ist von unserem Amt gar nicht mehr wegzudenken.

Ein letzter grosser, einschneidender Meilenstein gab es im Sommer 2008. Auf den 1. Juli wurden beim Volkswirtschaftsdepartement die drei Ämter „Landwirtschaftsamt“, „Amt für landwirtschaftliche Beratung und Weiterbildung“ und „Meliorationsamt“ im „Amt für Landwirtschaft“ zusammengefasst. Ab diesem Zeitpunkt hast Du die Abteilung Strukturverbesserungen unter der Leitung von Amtsvorsteher Benno Reichlin geführt. Ab diesem Zeitpunkt hattest Du wieder etwas mehr Zeit für die produktive Arbeit, weil der Teil der Amtsführung weggefallen ist. Darüber warst Du nicht unglücklich, denn Deine Kunden waren Dir immer sehr wichtig, was sie auch immer sehr geschätzt hatten. Dies bis zum Schluss, obwohl Du erst vor kurzem bemerkt hast: „Vor 30 und mehr Jahren waren die Kunden viel dankbarer, als heute“. Das dem wirklich auch so war, zeigt, dass man Dir aus Dankbarkeit sogar einen Schottisch von der Kapelle Franz Schmidig geschenkt hat: „Am Franz Walder z’liäb“.

Während Deiner Tätigkeit hast Du unzählige Bauvorhaben unterstützt oder beraten. Das hast Du immer sehr gerne getan. Die Erschliessungen der ganzjährig bewohnten Liegenschaften und der grösseren Alpen lagen Dir sehr am Herzen. Bei einigen Alpen konntest Du aufgrund des Druckes der Umweltschutzorganisationen lediglich Materialseilbahnen erstellen, statt Wege. Du hast Auseinandersetzung mit den Schutzorganisationen immer angenommen und meist auch eine einvernehmliche Lösung herbeigebracht, wenn auch nicht immer ganz im Sinne der Bauherrschaften. Aber wenigsten gab es dann eine Erschliessung. Bei vielen Rutschgebieten hast Du mit der Projektierung von umfangreichen Entwässerungen einiges zur Stabilisierung des Geländes beitragen. In den letzten Jahren hast Du vermehrt und zahlreiche Alpwasserversorgungen auf den neuesten Stand gebracht, was bei den zunehmend trockenen Sommer weitsichtig und von grossem Nutzen ist. Leider gab es in all den Jahren auch einige grössere Unwetterereignisse, wie im Jahre 1984 in Gersau, Ingenbohl und Alpthal, im Jahre 1987 in Arth, in den Jahren 1990 und 1992 im Ybrig, im Jahre 2005 im Muotathal und Arth, im Jahre 2007 im Ybrig und Einsiedeln/Alpthal und in den Jahren 2010 und 2011 wieder im Muotathal. Da galt es flexibel und einsatzfreudig zu reagieren, damit die betroffenen Anwohner möglichst bald wieder Hoffnung auf Normalität haben konnten. Als jahrelanges Mitglied im kantonalen Führungsstab konntest Du bei vielen dieser negativen Ereignisse von Anfang an Deine grosse Erfahrung mit einbringen.

Deine grosse Erfahrung auf dem Gebiet der Kulturtechnik und der Strukturverbesserungen hast Du immer gerne weitergegeben. Während Jahren hast Du an der Landwirtschaftsschule des Kantons Schwyz dieses Fachgebiet unterrichtet. Auf nationaler Ebene warst Du von 1988-2011 in der Kommission Bodenverbesserungen tätig, der Fachkommission Tiefbau aller kantonalen Meliorationsämter in der Schweiz.

Mit dem Erreichen des 65. Altersjahres auf Ende April 2016 wirst Du uns verlassen. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Deine Familie und insbesondere Deine vier Grosskinder warten auf die Freizeit des Opi. Von nun an gilt es Geschichten zu erzählen, Ski zu fahren oder sich auf den Swissalpine Marathon in Davos vorzubereiten. Aber auch Dein anderes Steckenpferd, die Arbeit in der Verwaltung der Korporation Pfäffikon (SZ), wo Du für das Wasserwerk zuständig bist, soll nicht zu kurz kommen.

Franz, wir bedanken uns herzlich für Dein jahrelanges, intensives Engagement zugunsten der schwyzer Landwirtschaft. Wir sind froh, dass wir fast vier Jahrzehnte von Deiner uneigennützigen Art und Weise und Deinem grossen Fachwissen profitieren durften. Wir wünschen Dir alles Gute für den „Unruhestand“ und hoffen, dass Du noch lange und mit guter Gesundheit mit Deinen Nächsten all die Sachen machen kannst, auf Du Dich in letzter Zeit so sehr gefreut hast.

Benno Reichlin, Vorsteher Amt für Landwirtschaft Schwyz

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