26.11.2015

Zur Pensionierung von Jörg Amsler

Pensionierung Jörg Amsler
Fachbereichsleiter Meliorationen, Stv. Leiter DB Direktzahlungen und Ländliche Entwicklung


Würdigung durch Christian Hofer, Vizedirektor BLW

Lieber Jörg

Es fällt uns allen nicht ganz leicht Dir heute Adé zu sagen. Du hast ganz tiefe Spuren in diesem Amt gezogen und die Schweizer Landwirtschaft und Landschaft geprägt.

Du bist eine der amtsältesten Personen beim BLW. 35 Jahre hast Du als Dipl. Kulturingenieur hier gewirkt, zuerst als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Experte im Meliorationsbereich, dann als Chef Sektion Bodenverbesserung, dann als Fachbereichsleiter Meliorationen, ab 2008 warst Du Stv. Leiter des Direktionsbereichs Direktzahlungen und Ländliche Entwicklung und des Fachbereichs Ländliche Entwicklung und die letzten beiden Jahre wieder Fachbereichsleiter Meliorationen. Mit Deiner Person sind ganz klare Kennzeichen und Merkmale hervorzuheben:

Die hohe Kompetenz und viel Wissen:
Jörg gilt noch als der Kulturingenieur „alte Schule“ schlechthin. „Alt“ verdient hier Respekt: Der Begriff „Kultur“ hatte einen sehr umfassenden Charakter; nicht nur „cultiver“ im Sinne von technischen Verbesserungen und Prozessen, wie Melioration, Bewässerungswirtschaft, landwirtschaftlicher Wegebau, Natur-, Landschafts- und Umweltschutz, oder das Recycling, die Abfallwirtschaft usw.

Hier spielten noch die Entwicklungen der Gesellschaft mit ihrer Geschichte, dem Brauchtum, der Tradition, dem Rechtssystem eine Rolle. Kurzum alles was die Ethnologen erforschen und zu Recht den Anspruch als eine interdisziplinäre Grund- oder Leitwissenschaft in sich tragen, hast Du hier mit Deinem Wirken entfaltet. Dies verdient hohe Anerkennung, Respekt und Dank.

Guter Überblick und enorme Erfahrung:
Du hast die gegenseitigen Abhängigkeiten und Beeinflussungen gesellschaftlicher Systeme wahrgenommen und dies in Deine Arbeiten einfliessen lassen. Du hattest damit diesen differenzierten und kritischen Blick und Überblick. Mit Deinem langjährigen Wirken hast Du Dir einen enormen Erfahrungsschatz verschafft. Aus diesem durften wir alle schöpfen. Ich spreche nicht nur von technischen, administrativen Belangen – es waren auch Deine politische Einschätzung und Beurteilungen, die uns gangbare Wege zeigten.

Deine Zuverlässigkeit und Freundlichkeit, das sind m.E. Markenzeichen von Dir. Da gab es nie zu spät eingereichte oder gar liegengelassene Unterlagen. Sie waren nicht nur pünktlich; sie trugen auch immer eine hohe Qualität.

Dein sorgfältiger Führungsstil und Dein gepflegter Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern war uns immer Beispiel – ich hoffe, dass wir dies auch nach Deinem Abgang weiterleben werden.

Hier all Dein Wirken abzubilden, vermag ich persönlich kaum. Dennoch gibt es Themen und Dossiers, die erwähnt werden müssen, weil Du sie über all die Jahre geprägt, bearbeitet und gestaltet hast. Sie sind aber m.E. von ungemeiner Wichtigkeit – ja ich denke von nationaler Bedeutung.

Das Thema Boden und Raumplanung:
Hier hast Du starke Akzente gesetzt. Hartnäckig und ausdauernd – eben nachhaltig - hast Du dieses Geschäft verfolgt – nicht zu Deinem Wohle, sondern für eine produzierende Landwirtschaft. Du giltst als der wahre Verfechter des Bodenschutzes. In unzähligen Sitzungen hast Du den Raumplanungsspezialisten versucht klarzumachen, dass man FFF kompensieren kann - ja sogar muss - wenn sie verbaut werden.

Symbolisch für Deine Hartnäckigkeit und Deinen Einsatz für das Kulturland schenke ich Dir einen Quadratmeter – eben von diesem wertvollen Kulturland. Du sagst jetzt sicher, dass Rollrasen kein Kulturland ist, beim Wort Golfplatz stehen Dir die Haare zu Berge. Aber ich weiss auch, dass Du während des Studiums in Holland gelernt hast, wie man in Poldern organische Böden auf Seekreide aufbaut. Es braucht Wissen und Zeit; beides hast Du ja ab übermorgen.

Dein Engagement in Sachen Ländlicher Raum und Regionalpolitik. Aus den Arbeiten mit dem ganzen Set an Instrumenten der Strukturverbesserung hast Du am Entstehen der Politik für den Ländlichen Raum mitgewirkt. Du bist eben ein „Creator“ und verkörperst für mich so etwas wie ein Avantgardist der sektor-übergreifenden Zusammenarbeit. Heute mit den Massnahmen der Strukturverbesserungen, den PRE, den Modell-vorhaben, den Pärken usw. werden diese Ideen zunehmend umgesetzt.

Dein Netzwerk ist gross, das sieht man an den vielen Gästen, die Du heute auch von ausserhalb des BLWs eingeladen hast. Es reicht von den Partnerämtern hin zu Vollzugsstellen, zur Beratung bis hin in die Forschung und natürlich die Politik. Wir sind überzeugt, dass all diese Leute mit Dir einen äusserst kompetenten Partner gefunden haben. Damit warst Du auch ein Aushängeschild für das BLW.

Für all das wollen wir Dir Jörg ganz herzlich danken. Für Dein beharrliches Wirken über die vielen Jahre im BLW. Jetzt gilt es neue Herausforderungen anzupacken, jetzt erweitern sich Deine Freiheitsgrade, jetzt darfst Du durchatmen. Mögen sich neue Horizonte auftun – erst recht, wenn Du Dich wieder einmal an den Steuerknüppel eines Segelfliegers setzen darfst.

Für Deine Zukunft im Ruhestand wünschen wir Dir alles, alles Gute. Bleib vor allem gesund.


Jörg's Anekdoten (kleiner Auszug)

Wasserversorgungsprojekt Berner oder Neuenburger Jura:
Da sich die Quelle in Frankreich befand, brauchte es einen Staatsvertrag. Es musste explizit erwähnt werden, dass nur Wasser (und kein Alkohol) durch die Leitung fliessen darf.

Besichtigung von agrotouristischen Projekten mit parlamentarischer Delegation im Südtirol (Januar 2005): Wir starten bei Dunkelheit um 07:00 Uhr mit dem Kleinbus in Bern. Auf der A1 im Mittelland wird es langsam hell, es herrscht aber dicker Nebel. Da sag ich:“Schade, dass man nichts mehr sieht!“. Daraufhin die Präsidentin der UREK-N NR Marty-Kälin zu ARE-Direktor und Genosse Rumley: „Gut hat es Nebel, so sieht man die Sauereien nicht, die ihr hier angerichtet habt!“

SBB: Treffen im Rest. Löwenberg zur Revision des Eisenbahngesetzes (neu sind die Landumlegungen statt Enteignungen ein Thema): Alle Eingeladenen ausser die SBB-Vertreter waren pünktlich in Murten und warteten. Die SBB-Vertreter vertrauten ihrem neuen Siemens Stellwerk in Luzern nicht, und kamen mit dem Auto. – Sie blieben 3/4 Std. im Stau stecken!

Aus einem technischen Bericht:Güterweg Flüematt, Unterlangenegg BE: „Bauschwierigkeiten: Altlasten wie Veloanhänger, Plastik, Wellblech, Waschmaschinen, Öfeli, Pneus etc. aus der Geländemulde mussten als Sondermüll entsorgt werden, Gesamtmenge: 49,5 m3.“

Bei einer Aussenlandung mit dem Segelflieger im Gros de Vaud (Echallens, Villars-le-Terroir oder in der Nähe) kommt einer freundlicher Bauer und sagt: „Kein Problem wegen des Landschadens, man sieht ja gar nichts. Aber kommen Sie doch auf ein Zvieri vorbei, ich habe noch zwei Töchter zu Hause!

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Jörg Amsler, Fachbereichsleiter Meliorationen, Stv. Leiter DB Direktzahlungen und Ländliche Entwicklung




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